Mit Willy Michl am Lagerfeuer
Das Lagerfeuer des Isarindianers brennt noch immer lichterloh. In seinem Herzen und denen seiner Fans. Nach ein paar kleinen Wacklern während der ersten Takte stimmt alles und der von Anfang an vorhandene „Spirit“ wird im ganzen Saal spürbar. Wer nur ein ganz klein wenig bereit ist sich der Musik und dem Anliegen von Willy Michl zu öffnen kann sich seiner Ausstrahlung und der Atmosphäre auf Dauer nicht entziehen. Nicht einmal der, der sich für abgebrüht und erfahren hält.
Willy Michl: „Ich freue mich, dass das Haus heute voll ist. Jeder Platz hier im Saal ist besetzt – mit sichtbaren und unsichtbaren Spirits. Sie sind alle da.“ Leider waren die unsichtbaren Sprits etwas in der Überzahl. Wer sich nicht auf den Weg in den Trostberger „Postsaal“ gemacht hat, verpasste einen bewegenden Abend. So mancher Gast im Publikum hatte echte Tränen in den Augen.

Seine Musik ist abwechslungsreich, laut und leise, beschwörend und kämpferisch, die Texte authentisch tiefernst und hin und wieder etwas flapsig wie beim stets beliebten Uralt-Gassenhauer „Wir fahren mit dem Bob“. Er singt, schreit, flüstert und zieht das Publikum mit seinen Erzählungen in seinen Bann. Willy Michl IST Willy Michl, er steht und lebt für seine Überzeugung. Er ist ein Indianer, war es sein Leben lang und für das Abschlusskonzert seiner „Wir-sind-alle-verwandt“-Frühjahrstour hatte er sich zwei Federn von Adlern, die auf dem Obersalzberg lebten in die Haare gesteckt. Dass er die volle Indianermontur trägt versteht sich von selbst.
Willy Michl ist vielseitig und erstaunlich progressiv. Keins seiner Lieder scheint unter der Zehn-Minuten-Grenze zu liegen, jedes ist eine mannigfache Kombination aus Gesang und Erzählung. Im ersten Teil des Konzertes spielt es seine Blueslieder. Das „Isarflimmern“ ist nach wie vor ein bewegendes Stück Erzählung und zugleich Politik – ein Appell an den verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur, an die Einsicht und Vernunft der Regierungen, aber auch der Menschen. Die Lacher auf seiner Seite hatte der Willy als er erzählte wie er „damals“ auf dem Floß des Angermeier dem Streibl das Lied vorgespielt habe und meinte: „Schee wars. Spuits es no amoi.“ Ob es was geholfen hat, hat uns der Willy aber nicht verraten....
Bei „Blues Goes to Mountain“ hält es niemand ruhig auf seinem Stuhl aus. Im Wechsel wird mit dem typischen 12-er Takt des klassischen langsamen Bluesrhythmus mitgewippt und geklatscht, die jazzigeren Passagen fallen etwas schneller aus, gesungen und erzählt wird wie immer multikulturell in bayerisch, deutsch und englisch. Seine Verbundenheit zu den Bergen besingt er in der Hymne an den „Almaspitz“. Zugspitz und Schneeferner rufen ihn noch immer und fast scheint es, als trauere er seiner kurzen Zeit als Hüttenwirt noch immer nach. Augenzwinkernd erzählt er vom Hanse, den er auf der Hüttn mit der „örtlichen Droge“ dem Enzianschnaps abgefüllt hat und der so neugierig auf seinen „Indianertabak“ war.

Ungeheuer ergreifend ist die Geschichte von „Geronimo“. Der Zwiespalt in dem sich Michl selbst befindet, einerseits sein vehementes Eintreten für Frieden und Gewaltlosigkeit, andererseits seine Bewunderung und Verständnis für den Indianerhäuptling Geronimo und dessen unerbittlichen Krieges gegen die Mörder seines Stammes.
Mit „Feeling Allright” packt die Blueslegende den Soulhammer a la James Brown aus, mit „Dream a Little Dream for me“ begeisterten bereits Louis Armstrong und Doris Day die Massen. Jazz, Liedermacher, Rock – was der Willy Michl aus seiner Gitarre herausholt ist sensationell. „Die fünfte Dimension ist das Gefühl.“ Lässt er sein Publikum wissen und verlässt die Bühne.
Mit teilweise stehenden Ovationen feiern ihn die Fans und er gewährt dem Auditorium drei ausführliche Zugaben. Er besingt den „Stone-Age-Man“ aus dem Steinzeitmuseum in Amberg, der sie seit ihrem ersten Besuch dort auf allen Konzertreisen begleitet und dem sie als Sagen „den Tabak gelegt“ haben. Der Song hat etwas nostalgisches und Ähnlichkeit mit dem Doors-Song L.A Woman. Eine ausgiebige Reise nach Nepal und Katmandu bildet die etwas eigenwillige Überleitung in die dritte Zugabe.
Willy Michl, der Indianer von der Isar mimt den Engel Aloisius. Nein, so stimmt das natürlich nicht, aber er klemmt sich sein stilgerechtes Monokel ins linke Auge, ein kritischer Blick ins Publikum und dann gibt er den Münchner im Himmel zum besten – umgeschrieben auf den Willy höchstselbst. Wenn das keine Gaudi ist.
Nach dem Konzert nimmt er sich jede Menge Zeit für seine Fans, signiert CDs und seine Biographie und hat für jeden von ihnen einen guten Wunsch und ein persönliches Wort.